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„a place where time lies frozen“ (Nameless and the Scientist)

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Comics

„Nameless and the Scientist“ ist ein Comic, der die Sinne anspricht, sie langsam aber eindringlich wachkitzelt bis man jede Seite mit großen Augen in sich aufnimmt.

Ein im Wind flatterndes lila Band führt den Leser zu einer Person, die eine Brücke zwischen dem Leben und dem Tod schlägt. Die Zeit hat keine Bedeutung für ihn und Namen noch weniger. Eines Tages taucht jedoch unvermittelt ein Mann auf, der sein Innerstes anspricht und ihm etwas gibt. Umrisse vergessener Erinnerungen werden sichtbar und er weiß, dass da etwas ist bzw. war. Aber was?

In „Nameless and the Scientist“ vermischt sich die reale Welt mit den Konstrukten im Kopf und beizeiten weiß man nicht wirklich in welcher Ebene man sich befindet, weil vieles gleich einem Traum transportiert wird. Beim Lesen meint man nebenbei einen Windhauch zu spüren, der sachte vorbei geht oder gar zu einem brüllenden Röhren anschwellen kann. Und immer wieder dieses fliegende Haar und das lila Band des Namenlosen! =)
Unterschwellig angesprochen werden auch Themen wie die Unendlichkeit und die Sterblichkeit und was für Konsequenzen entstehen, wenn beides aufeinander trifft.
Der Comic erinnert mich an vieles: Eine Erzählung, die mit ruhiger Stimme in einem leer Raum rezitiert wird, versehen mit langen Pausen, damit man wieder zu sich kommt. Eine Explosion von Farben, die nach dem Knall geballt heraus schiessen und sich beim Fallen systematisch an ihrem jeweiligen Platz legen. Zig Sinneseindrücke, die sich in einem bündeln. Verwirrend? Ich kann nicht anders – der Comic ist einfach zu gut. ^^

Amei Zhao, die den Comic seit 2010 kreiert, malt großformatig erscheinende Seiten, die man locker im Metermaß ausdrucken könnte und trotzdem würden diese nicht zu groß erscheinen. Das Format der Panels verführt einem beinahe zu dem Glauben man hätte den Ausschnitt eines Leinwandfilms vor sich, der eben gestoppt wurde. Es wird viel mit unterschiedlichen Perspektiven gespielt, die sich im einen Moment nahe an die Gesichter herantasten, um im nächsten Augenblick zu einer weiten Landschaft zu schwenken. Linien, schwungvoll oder geradelinig, spielen ebenso eine nicht unerhebliche Rolle – sie durchschneiden die Räume oder schaffen eine Konzentration im ansonsten so grenzenlos erscheinenden Raum
So absurd es für eine Beschreibung zu einem visuellen Medium klingen mag, so wird „Nameless and the scientist“ zu einem großen Teil durch die Malereien bzw. Panels getragen, die es schaffen beim Betrachten Sehnsüchte zu erwecken. Die Schönheit der geschriebenen Worte ist dem optischen Part jedoch genauso ebenbürtig und beide greifen geschlossen in einander über. Auf eine eindringliche Art wird die Reise von dem Namenlosen und dem Wissenschaftler geschildert, die unter anderem von Erinnerungen und Liebe geleitet wird. Der Weg ist das Ziel? Genau! Und wie sagte es Götz Alsmann mal in einer „Zimmer frei!“-Folge so begeistert: „Jeder Satz zitierfähig!“.

Den Anfang des Comics kann man online nachlesen – knapp bis zur ersten Hälfte des Jahres konnte man auch den ersten Band in gedruckter Form kaufen, der mit 132 Seiten den Prolog und das erste Kapitel enthielt. Das Cover und Auszüge kann man hier sehen. Wann man diese Ausgabe wieder erwerben kann, ist noch nicht bekannt.
In der Vergangenheit gab es auch die beiden Artbooks „to the sky“ und „SPACES„: Ersteres beschäftigte sich nur mit der Welt von „Nameless and the Scientist“, während im Zweiten auch „Foxfire“ von Wrat vertreten war. Beide Artbooks waren, sniff, nur in einer begrenzten Stückzahl vorhanden und sind mittlerweile vergriffen.

In der Zwischenzeit könnt ihr aber einen Blick auf Amei Zhaos Blog 70% EtOH werfen, wo es neben ihren anderen Zeichnungen, auch Bilder und weitere Comicseiten zu „Nameless and the scientist“ gibt.
Interessant ist bei den älteren Versionen der Comicseiten, die Wandlung, die diese durchlaufen und was für einen Unterschied kleine Änderungen ausmachen können. Der Zeichenstil hat etwas Entspanntes an sich – wie ein Band, das sich locker von den Bewegungen eines Luftzuges mitträgen lässt, aber sich nicht zum Zerreissen anspannen lässt. Ihre Figuren können pure Männlichkeit ausstrahlen und beim nächsten Charakter schon wieder eine unbestimmte Androgynität wiedergeben.
Hinsichtlich der Farben wird die ganze Palette ausgeschöpft, wobei sich die einzelnen Bilder oder Panels oftmals in einem bestimmten Farbschema bewegen, welches von einem „Tupfer“ durchbrochen werden kann, der farbtechnisch regelrecht herausblitzt. So gibt es beispielsweise distanzierte Blautöne für Momente in denen der Namenlose alleine unterwegs ist oder warme Töne, wenn die beiden Hauptprotagonisten zusammen sind.
Neben den Zeichnungen an sich ist es ein persönlicher Genuss für mich die Begleittexte zu den Bildern zu lesen, welche etwas zu der Geschichte beitragen oder etwas vertiefen.

Amei Zhao hat ursprünglich einen Hintergrund in der Pathologie arbeitet zur Zeit in den Bereichen Visual Development, Production Design und Illustration.

Singender_Tintenfisch

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