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„Why´re there so many crows here… ?“ (Apocalypse no toride)

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Comics

Wer das Vergnügen hat mit einer Zombieliebhaberin unter einem Dach zu leben, kommt im selben Atemzug in die „Pflicht“ nahezu den gesamten Zombiekanon kennenzulernen.

Man lernt, dass es Nazi-Zombies gibt, Zombies, die bevorzugt durch den Abort krabbeln, Zombieköpfe, die fröhlich im Aquarium vor sich
hinblubbern, Zombiegiraffen, Zombiegartenzwerge, Zombies, die nicht gegen Schallplatten gewappnet sind und haste nicht gesehen.
Gut, es gibt „Grundbausteine“, die sich zwangsläufig wiederholen – schließlich kann man das Ei nicht neu erfinden: Endzeitstimmung, die
Menschheit wird von einer Zombiewelle überrollt, nahe stehende Personen werden infiziert, Sicherheit ist etwas Illusorisches, es bilden  sich Zweckgemeinschaften, Ressourcen werden knapp, blubb…
Umso erfrischender, wenn man auf Titel stößt, die ungewohntere Elemente mit ins Spiel bringen!

„Apocalypse no Toride“ ( アポカリプスの; Festung der Apokalypse) ist ein Manga von Yuu Kuraishi (Autor) und Kazu Inabe (Zeichner) in dem die Welt mal wieder ins Chaos geworfen wird. Monströse Kreaturen, ehemals Menschen, versenken bevorzugt ihre Zähne in das Fleisch unschuldiger Opfer und beissen diese schlichtweg zu Tode bevor diese wieder zu neuem Leben erwachen. Die Inkubationszeit geht rasch von statten und so geht die mysteriöse Infektion mit einer rasanten Geschwindigkeit durch die Bevölkerung. In den Anfangsstadien der Infektion ist man zwar nicht unbedingt mit Schnelligkeit gesegnet, jedoch mit einer größeren körperlichen Kraft und eben Appetit. =)

Der Fokus der Geschichte liegt auf den Schüler Yoshiaki Moeda, der vor dem öffentlichen Bekanntwerden der Infektion zur falschen Zeit am falschen Ort ist und zufällig Zeuge eines Mordes mit kannibalistischen Folgen wird. Trotz seiner Unschuld wird er für den Täter gehalten, verurteilt und landet völlig fassunglos in der Shouran Akademie, einer Art Jugendgefängnis.

Apocalypse_no_toride

Die neue Ausgangssituation überfordert ihn ohnehin schon und seine drei Zellengenossen erleichtern ihn den Umstieg nicht wirklich. Gesellschaft leisten ihn fortan der mit einem äußerst kurzen Geduldsfaden gesegnete Yoshioka Masafumi, der schweigsame Riese Iwakura Gou und der an Wissenschaften höchst interessierte Yamanoi Mitsuru.
Die Gefängnisinsassen leben abgeschirmt von der Außenwelt in ihren kleinen Mikrokosmos bis die infektiöse Realität nach kurzer Zeit Einzug hält. Anfangs noch ungläubig, dauert es nicht lange bis das Entsetzen vom praktischen Überlebenswillen abgelöst wird, die Delinquenten sich gegen die Untoten zur Wehr setzen und die Führung im Gefängnis an sich reissen. Seilschaften bilden sich und es wird schnell klar, dass Yoshiakis Gruppe zu den Unbeliebtesten per se gehört – aus dem einfachen Grund, dass sie sich rein gar nichts gefallen lassen. Umstrittig ist jedoch der Fakt, dass die vier jungen Männer die besten Überlebenschancen haben und ihr unfreiwilliger Verbund durch die Geschehnisse kräftig zusammen geschweisst wird.
Hilfe von außen ist nach wie vor nicht wirklich zu erwarten, so dass der kleine Trupp um Yoshiaki sein Bestes tut am Leben zu bleiben. Entdeckungen, die Aufschlüsse über die Krankheit und ihre Ursachen geben, bleiben währendessen nicht aus und so schließen sie Bekanntschaft mit deformierten „Hunden“, alptraumhaften Massenbewegungen und religiösen Eiferern, die eine neue Weltordnung anstreben. Noch mysteriöser wird es mit dem Erscheinen eines Wesens, dass in der Lage ist die Untoten zu kontrollieren und die ein oder andere erstaunliche Fähigkeit in petto hat.

Die Charaktere aus „Apocalypse no toride“ könnten gut und gerne einer High School-Serie entstammen – mit dem Unterschied, dass es sich vorwiegend um jugendliche Straftäter handelt, die einiges auf dem Kerbholz haben und sich die Sterberate mit Unterstützung der Zombies im oberen Bereich bewegt. Vor Stereotypen ist der Manga zwar nicht gefeit, siehe die wissensdurstige Brillenschlange, die melonenbrüstige Schönheit und der „harte“ Möchtegerngangster, aber die Untoten werden im Gegenzug wunderbar dargestellt. =)
Verrenkte Glieder, beunruhigende Transformationsstadien, kübelweise wird Blut verspritzt und unnatürliche Bewegungen tun ihr Übriges.
Getragen wird die Geschichte zu einem großen Teil von den vier Hauptcharakteren, die höchst unterschiedliche Charakterzüge in sich vereinigen (oder anders gesagt sich fortlaufend kabbeln können), beileibe keine Unschuldslämmer sind, aber auf ihre Weise einen gutmütigen Kern in sich tragen. Zugegeben: Die Zombies finde ich ebenfalls nicht uninteressant dargestellt: Auf praktisch einen Instinkt runterreduziert (Fressen! Anstecken! Fressen!), entmenschlicht und eine beunruhigende Masse bildend.

Ich halte es der Serie sehr zu Gute, dass sie es bis zum fünften Band immer noch geschafft hat die Ursache oder das, was den Virus ausmacht, weitesgehend bedeckt zu halten. Von einzelnen Überlebenden erfährt man zwar kleine Hinweise, aber ein Blick auf das große Ganze ist nur sehr bruchstückenhaft möglich. Der Actiongehalt von „Apocalypse no toride“ nimmt einen großen Raum ein, aber in einem Szenario, wo das Überleben im Vordergrund steht, ist das sicherlich kein Wunder.
Handelt es sich auf Grund dessen um seichte Kost mit stumpfer Gewalt? Hochtrabende Kunst erwartet sicherlich keiner, aber ich denke, dass der Manga mit dem Mix aus Action, zwischenmenschlichen Beziehungen und den geheimnisvollen Andeutungen zu dem Virus durchaus zu unterhalten weiß und sich die einzelnen Komponenten gut die Waage halten.

„Apocalypse no toride“ erscheint seit 2011 und bringt es mittlerweile auf sieben Sammelbände.

Singender_Tintenfisch

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